Vogelwelt der Senne
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- Schwarzspecht (Dryocopus martius) (M)
© Ch. Venne
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- Schwarzspechthöhle
© Ch. Venne

- Ziegenmelker (Caprimulgus europaeus)
© B. Stemmer

- Heidelerche (Lullula arborea)
© B. Stemmer

- Eisvogel (Alcedo atthis)
© O. Sielhorst

- Wasseramsel (Cinclus cinclus)
© O. Sielhorst
Höhlenbrüter
Von allen heimischen Vogelarten sind Spechte und ihre Folgearten in ganz besonderer Weise auf das Vorhandensein von Wäldern und Altholzbeständen angewiesen.
Der Schwarzspecht baut seine Höhlen sowohl in den von Buchen dominierten Waldtypen des Teutoburger Waldes, als auch in den ausgedehnten Kiefernwäldern der Sennelandschaft. Zum Höhlenbau wählt er bevorzugt Bäume in einem Mindestalter von 80 bis 100 Jahren, die bis auf eine Höhe von 7-10 Metern astfrei sind. Die Hauptnahrung dieser Spechtart besteht neben Ameisen, bzw. deren Larven und Puppen, aus holzbewohnenden Käferlarven. Schwarzspechte legen in ihren beachtlich großen Revieren über die Jahre deutlich mehr Höhlen an, als sie zur Aufzucht ihrer Jungvögel oder als Schlaf- und Ausweichquartiere benötigen. Von diesem „sozialen Wohnungsbau“ profitiert eine Vielzahl anderer Tierarten. Zu den Sekundärnutzern gehören neben Säugetieren, wie Fledermäusen oder Bilchen, natürlich auch viele andere Vogelarten.
Mit etwas Geduld kann man ab Februar den markanten zweisilbigen Ruf der scheuen Hohltaube in den Buchen- und Kiefernalthölzern der Senne hören. Diese Taube brütet hier fast ausschließlich in den von Schwarzspechten gebauten Höhlen. Das Männchen lockt sein Weibchen mittels eines speziellen Nestrufes zu einer von ihm besetzten Höhle, die vor der Ablage der zwei Eier noch mit Holzstücken und kleinen Zweigen ausgepolstert wird.
Auch der zur Familie der Spechte gehörende Wendehals ist auf die Höhlen anderer Spechtarten angewiesen, da er selbst keine eigenen Höhlen baut. Ist die von ihm ausgewählte Höhle schon von Meisen, Trauerschnäppern oder dem in der Senne recht häufigen Gartenrotschwanz besetzt, so wird das Nest mit samt den Eiern oder Jungvögeln kompromißlos aus der Bruthöhle entfernt. Der Wendehals ist nur selten gut zu beobachten, denn sein rindenfarbenes Gefieder macht ihn im Geäst nahezu unsichtbar, selbst wenn er seine eintönig klagenden Stimme hören läßt.
Bodenbrüter
Ein nächtlicher Spaziergang durch die Sennelandschaft gibt Gelegenheit mit einer interessanten Vogelart Bekanntschaft zu machen. Das merkwürdige Schnurren des nachtaktiven Ziegenmelkers, dem früher nachgesagt wurde, daß er sich des nachts an die Euter von Ziegen hängt und diese „melkt“, gehört wohl zu den seltsamsten Gesängen unserer einheimischen Vogelwelt. Da der Ziegenmelker trockene Waldrand- und Heidebiotope bevorzugt, ist sein Vorkommen im Senneraum weitestgehend auf den Truppenübungsplatz und die angrenzenden Bereiche beschränkt. Als Nistplatz wählt die Art in erster Linie vegetationslose Bodenstellen, auf die die Eier ohne Bau eines Nestes abgelegt werden. Den Tag verschläft der Ziegenmelker gerne gut getarnt am Boden oder auf einem Baum, um in der Nacht über den Freiflächen, die nun ihre am Tage gespeicherte Wärme an die Luft abgeben, auf die Jagd nach nächtlichen Fluginsekten zu gehen.
Unter den zahlreichen im Senneraum vorkommenden Vogelarten zählt die Heidelerche in besonderem Maße zu den Charakterarten der Heidelandschaft. Der kleine, unscheinbar braun gefärbte Singvogel macht häufig zuerst durch seinen wohlklingenden und etwas melancholisch anmutenden Gesang auf sich aufmerksam. Bei der Wahl ihres Lebensraumes sind Heidelerchen durchaus anspruchsvoll. Zu den unbedingt erforderlichen „Requisiten“ eines Heidelerchen-Revieres gehören Offenlandbereiche mit offenen Bodenstellen und kurzrasigen Bereichen zur Nahrungssuche, Stellen mit höherer Bodenvegetation zur Anlage der Bodennester sowie Gehölze als Fluchtraum und als Singwarte des Männchens. Noch in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts war die Heidelerche in Nordrhein-Westfalen in allen Landschaften mit Ausnahme der Börden verbreitet. Heute sind die früheren Vorkommen auf Hochheiden und Kahlschlägen der Mittelgebirge nahezu vollständig erloschen. Nach neusten Erkenntnissen brütet in der Senne mit ca. 250 Paaren noch etwa ein Drittel des Bestandes von Nordrhein-Westfalen.
Wie der Ziegenmelker, so ist auch das auffällig gefärbte Schwarzkehlchen in seinem Vorkommen in der Senne fast ausschließlich auf die Truppenübungsplätze beschränkt. Hier kann man seine eilige, oft von der Spitze einer kleinen Wald-Kiefer erklingende Strophe fast nur noch auf den ungestörten Heideflächen der Trocken-Senne regelmäßig hören.
Fließgewässerarten
Die klaren, in den Oberläufen noch unbelasteten Sandbäche der Sennelandschaft stellen mit ihrer vielfältigen Insektenfauna und ihrem umfangreichen Fischbestand ideale Nahrungsgründe für Vogelarten, wie Wasseramsel, Gebirgsstelze oder Eisvogel dar.
Die sehr standorttreue Wasseramsel fällt besonders durch ihre leuchtend weiße Kehle und ihren schnellen, schwirrenden Flug auf. Sie geht bevorzugt an schnell fließenden, seichten Wasserstellen, wie man sie beispielsweise an kleinen Staustufen findet, auf Nahrungssuche. Bei der Jagd auf aquatisch lebende Weich- und Gliedertiere taucht die Wasseramsel regelmäßig komplett in das Wasser ein und nutzt Flügel und Krallen, um sich unter Wasser fortzubewegen, bzw. festzuhalten. Zum Nestbau wählt sie Überhänge oder Halbhöhlenstrukturen im Bereich von Brücken oder Wehren. Die Jungvögel verlassen mit 1-2 Monaten das elterliche Revier und siedeln sich nach einer Wanderphase an einem neuen Bachabschnitt an. Wie die Wasseramsel, so bleibt auch die Gebirgsstelze ihrem Bach oft über Jahre treu. Von der in ihrem Verhalten recht ähnlichen Bachstelze unterscheidet sie sich durch ihre zitronengelbe Brust und das graue Gefieder im Augen- und Kopfbereich. Ihre Nahrung bezieht die Gebirgsstelze hauptsächlich aus den Ufer- und Randbereichen im und am Bach, doch geht sie auch mal an einem Misthaufen auf Insektenjagd. Sie ist bei weitem nicht so stark an Gewässer gebunden, wie beispielsweise der Eisvogel, der sich fast ausschließlich von kleinen Süßwasserfischen ernährt.
An den Sennebächen besteht das Nahrungsspektrum des Eisvogels in erster Linie aus Stichlingen und jungen Bachforellen, die im typische Tauchsturz von einer Sitzwarte oder direkt aus dem Flug erbeutet werden. Seine bis zu einem Meter langen Röhren, die ihren Abschluß in einer Brutkammer finden, gräbt der kleine Vogel mit Vorliebe in sandige Steilufer oder Abbruchkanten der unverbauten und ungestörten Bachabschnitten der Sennebäche.
