Pflanzen der Senne

Silbergras (Corynephorus canescens)
© P. Rüther
Sand-Segge (Carex arenaria)
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Vogelfuß (Ornithopus perpusillus)
© P. Rüther

Extreme Lebensbedingungen – Pionierpflanzen auf Sand

Die Heidelandschaft der Senne ist Lebensraum einer Vielzahl von Pflanzen- und Tierarten. Das trocken-warme Kleinklima, die lockeren, offenen Böden, die geringe Nutzungsintensität und teilweise auch die Abgeschiedenheit und Ruhe begünstigen diese Artenfülle. Aber Artenvielfalt bedeutet nicht, dass jede Pflanze oder jedes Tier hier wachsen kann. Diejenigen, die es schaffen unter den extremen Lebensbedingungen des Sennesandes zu überleben, sind Spezialisten mit ganz besonderen Anpassungen.

Nackter Sand ist oberflächlich betrachtet ein extrem lebensfeindliches Substrat. Pflanzen, die solche Standorte als erste besiedeln, müssen Wärme und Trockenheit ertragen können, sie müssen mit sehr wenig Nährstoffen zurechtkommen, aber auch mit dem trockenen Sand als Substrat, der vom kleinsten Windhauch verweht wird.

Pionierpflanzen auf Sand sind generell sehr klein und wachsen nur langsam. Die Haupt-Wachstumszeit ist im Frühjahr, wenn sich die Feuchtigkeit etwas länger im Boden hält. Im Sommer haben viele dieser Pflanzen ihre Entwicklung bereits abgeschlossen und sind wieder vertrocknet. Sie weichen so der sommerlichen Dürreperiode aus. Um die Wasserverdunstung so gering wie möglich zu halten, haben sie in der Regel nur sehr kleine oder fleischige Blätter. Es handelt sich durchweg um sehr konkurrenzschwache Arten, die auf anderen Standorten von größeren Pflanzen schnell überwachsen würden.

Der Frühlings-Spörgel hat seinen Verbreitungs-Schwerpunkt in den Heidesandgebieten im Norddeutschen Tiefland. Er tritt häufig zusammen mit Silbergras, Sand-Segge, Bauernsenf und Vogelfuß auf, alles typische Pflanzen der sogenannten Silbergrasflur, einem Pionierstadium auf Sand. Die Blätter des Frühlings-Spörgels, die zu mehreren zusammenstehen, sind kurz, schmal und etwas fleischig. Die zierlichen Blüten sind nur wenige Tage zu sehen. Ende Juni sind die Pflanzen schon wieder vertrocknet. Die graugrünen Blätter des Silbergrases bleiben länger erhalten. Sie bilden starre, kleine, aber kompakte Polster. Mit seinem feinen, dichten Wurzelwerk trägt das Silbergras zur Befestigung von lockeren Dünensanden bei.

Eine ähnliche Funktion haben die langen, unterirdisch kriechenden Ausläufer der Sand-Segge, die sich alle 5-10 cm bewurzeln und oberirdische Stengel ausbilden. Die Stengel stehen oft in meterlangen, schnurgeraden Reihen und erinnern an eine Nähmaschinen-Naht. Eine weitere unauffällige Art von Sandfeldern, Heiden und Wegrändern ist der Bauernsenf. Seine Blätter liegen in einer Rosette eng dem Boden an. Der etwa 10 cm hohe Stengel ist blattlos und trägt viele winzige weiße Blüten. Die Früchte sind zwar klein, aber durch ihre löffelförmige Gestalt gut zu erkennen.

Auffällig geformte Früchte gaben dem Vogelfuß seinen Namen. Sie sind 1-2 cm lang und gebogen. An einem Sproß stehen immer mehrere zusammen und erinnern so an einen Hühnerfuß. Die weißlichen Blüten mit einer purpurfarbenen Aderung und gelben Flecken sind nur 3-4 mm groß. Zum Anschauen dieser kleinen Schönheiten muß man sich tief bücken, die Pflanze wächst nämlich eng am Boden. Viele Sandpflanzen haben eine graue Farbe, die von vielen kleinen, für das menschliche Auge nicht erkennbaren Häärchen herrührt. Dieser silbrige Haarfilz reflektiert einen großen Teil des Sonnenlichtes und verhindert dadurch eine zu starke Erwärmung der Pflanze. Pflanzen mit dieser speziellen Anpassung, wie z.B. das Kleine Filzkraut oder das Kleine Habichtskraut, verdunsten nur sehr wenig Wasser. Sie können Wärme und Trockenheit länger aushalten als Pflanzen ohne diese Schutzeinrichtung.

Eine häufige Pflanzenart der Senne kommt an vielen Standorten vor, die genügend Sonne erhalten und nicht zu dicht bewachsen sind. Zur Blütezeit fallen an Weg- und Ackerrändern, auf Heideflächen und trockenen Grasflächen die blau-violetten Blütenköpfchen des Berg-Sandglöckchens auf. Die Pflanzen werden von vielen verschiedenen Insektengruppen als Nektarquelle aufgesucht.